Bericht
über die "Giornate di studio sui materiali didattici per l'insegnamento delle lingue straniere" in Florenz am 3. und 4. März 2005
Am 3. und 4. März fanden in Florenz die "giornate di studio sui materiali didattici per l'insegnamento delle lingue straniere" statt, ein Kongress, der zum dritten Mal von CEL/LektorInnen der Universität Florenz organisiert wurde. Zum Team gehörte neben englischen, französischen und spanischen CEL auch unsere deutsche Kollegin Christiane Büchel.
Thema des ersten Arbeitstages war die Verwendung von mündlichen Korpora im Fremdsprachenunterricht. Am Morgen wurden Projekte unterschiedlicher italienischer Universitäten vorgestellt. Antonietta Scaranno (Florenz) referierte über einen Korpus zur formellen und informellen Konversation in den vier größten romanischen Sprachen, Französisch, Italienisch, Portugiesisch und Spanisch. Rodolfo Delmonte (Venedig) stellte ein Projekt vor, das darauf abzielt, mit Hilfe von so genannten "treebanks" syntaktische und semantische Charakteristika des Italienischen erfassen zu können. Elena Monelli (Siena) führte unter Betonung ihres ausschließlich empirischen Ansatzes einen Korpus aus der Zeitung The Economist vor und versuchte darzulegen, wie dieser von Studenten der englischen Sprache benutzt werden kann. Marco Cassandro (Siena) zeigte eine Datenbank mit schriftlichen und mündlichen Dokumenten von Italienischlernenden der Università degli Studi per Stranieri in Siena, die Aufschluss geben will über die Entwicklung des Spracherwerbs einzelner Studenten.
Von besonderem Interesse für die deutschen KollegInnen war der Vortrag von Eva-Maria Thüne (Bologna). Sie stellte ein Projekt zum gesprochenen Deutsch vor (www.lingue.unibo.it/linguaparlata), das sich im Aufbau befindet und daher interessierten KollegInnen die Möglichkeit zur aktiven Mitarbeit bietet. Das derzeit vorhandene Textmaterial stammt von Sprechern, die Deutsch als Fremdsprache erlernen; es besteht im Augenblick aus einer Reihe von kleinen Korpora zu folgenden Themen: mündliche Erzählung des Deutschlernenden, Kommunikation im Sprachunterricht und Telefongespräche in der Fremdsprache.
Am Nachmittag fand eine Reihe von Workshops zur möglichen Verwendung von Korpora im Bereich der Didaktik statt. John Sinclair (Tuscany World Center) zeigte, wie mit Hilfe einer einfachen Übung zur Transkription des gesprochenen ins schriftliche Englisch Unterschiede der beiden Sprachmodalitäten deutlich gemacht werden können. Isabelle Maingain, Eliana Terzuoli, Maria Paola Canozzi, Agnès Charpentier und Carlotta Nicolás Martínez (Florenz) legten an Hand von diversen Beispielen dar, wie die Texte der Korpora als Unterrichtsmaterialien einsetzbar sind, die auf Grund ihrer Authentizität besondere Stimuli für den Studenten enthalten.
Marie Rieger (Bologna) führte im Gegensatz zu den übrigen Referenten des Nachmittags einen Metadiskurs, benutzte das Textmaterial der deutschen, in Bologna zur Verfügung stehenden Korpora, um nachzuweisen, wie wenig der natürliche mündliche Ausdruck in den (konstruierten) Dialogen der Lehrbücher berücksichtigt wird - und dies, obwohl der Europäische Referenzrahmen gerade Natürlichkeit im Ausdruck fordert.
Der zweite Arbeitstag war der kognitiven Linguistik und ihrer Anwendung im Sprachunterricht gewidmet. Margarita Hernando de Larramendi (Madrid) zeigte, wie die Resultate der kognitiven Linguistik für den Fremdsprachenunterricht fruchtbar gemacht werden können. Immaculada Solís García sprach über Vorteile und Nachteile bei der Verwendung von kognitiven Modellen. Und schließlich legte Scott Staton dar, wie Metaphern mit Hilfe eines kognitiven Ansatzes erfasst und die Ergebnisse solcher Überlegungen didaktisch fruchtbar gemacht werden können.
Auf dem Programm stand auch ein Vortrag von Claudio di Meola (Rom) zum Thema der Polysemie im Deutschen. Dieser musste leider wegen der ungünstigen Witterungsverhältnisse ausfallen.
Andrea Birk (Universität Bologna)
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